Ratgeber · 6 Minuten Lesezeit
„Ich bin nicht fotogen“: was beim Fotoshooting hilft
Fotogen heißt: Ein Mensch wirkt auf Fotos so gut wie im Gespräch. Wer sich unfotogen findet, kennt sich meist nur von Bildern, die unter schlechten Bedingungen entstanden sind: Handy aus der Nähe, hartes Licht, ein angespannter Moment. Das lässt sich ändern. Weiches Licht, etwas Abstand, klare Anweisungen und ein Moment, in dem du die Kamera vergisst, machen fast jeden Menschen fotogen.

Was „fotogen“ bedeutet
Fotogen nennt man Menschen, die auf Fotos gut wirken. Das Wort setzt sich aus dem griechischen Wort für Licht und der Endung „-gen“ für „erzeugend“ zusammen. Das Gegenteil heißt unfotogen: Jemand wirkt auf Bildern fremd, steif oder unvorteilhaft, obwohl er im echten Leben sympathisch rüberkommt.
Fotogen ist keine Eigenschaft des Gesichts. Es beschreibt, wie gut ein Foto die Ausstrahlung eines Menschen einfängt. Und das hängt stärker von Licht, Blickwinkel und Stimmung ab als von Nase, Kinn oder Figur.
Warum du dich unfotogen findest
Der Satz „Ich bin total unfotogen“ fällt vor fast jedem Shooting. Bianca hört ihn seit 2012. Die Gründe dafür sind fast immer dieselben, und keiner davon hat mit deinem Aussehen zu tun.
- Du kennst dich aus dem Spiegel. Im Spiegel siehst du dich seitenverkehrt, auf dem Foto so, wie andere dich sehen. Eine Studie von Mita, Dermer und Knight aus dem Jahr 1977 zeigte: Menschen bevorzugen ihr Spiegelbild, ihre Freundinnen und Freunde das seitenrichtige Foto. Was dich irritiert, ist für andere vertraut.
- Handyfotos aus der Nähe. Wer ein Gesicht aus kurzer Entfernung fotografiert, verzerrt es: Die Nase wirkt größer, die Ohren treten zurück. Ein Selfie zeigt dich deshalb anders, als dich ein Mensch im Gespräch sieht.
- Ungünstiges Licht. Licht von oben, etwa Mittagssonne oder eine Deckenlampe, wirft Schatten unter Augen und Nase. Weiches Licht von der Seite macht dasselbe Gesicht ruhiger.
- Ein eingefrorener Moment. Im Gespräch sieht dich niemand still. Ein Foto hält einen Bruchteil einer Sekunde fest, auch den zwischen zwei Gesichtsausdrücken. Auf Schnappschüssen landen oft diese Zwischenmomente.
- Anspannung. Sobald eine Kamera auf dich zeigt, spannst du Schultern, Kiefer und Lächeln an. Das sieht man, und es wirkt fremd.
Alle fünf Gründe lassen sich beim Fotoshooting beeinflussen. Deshalb gehen Menschen, die sich für unfotogen halten, oft mit Bildern nach Hause, auf denen sie sich zum ersten Mal wiedererkennen.
Was vor dem Fotoshooting hilft
Ein gutes Foto beginnt nicht vor der Kamera. Diese Punkte nehmen dir am Tag selbst viel Druck:
- Kleidung, in der du dich wohlfühlst: Wenn ein Kragen kneift oder ein Blazer spannt, sieht man dir das an. Trag, was du bei guten Kundinnenterminen trägst. Tipps zu Farben und Schnitten stehen im Ratgeber Was ziehe ich zum Business-Fotoshooting an?
- Ein Ort, an dem du dich auskennst: In deinem Büro, deiner Praxis oder deinem Lieblingscafé bist du entspannter als in einem fremden Studio.
- Ein Gespräch vorab: Wenn du weißt, wofür die Bilder gedacht sind und wie der Tag abläuft, musst du vor Ort nichts mehr entscheiden.
- Ausgeschlafen und satt: Klingt banal, zählt aber. Hunger und Müdigkeit sieht man in den Augen.
Vor dem Spiegel üben musst du nicht. Ein einstudiertes Lächeln wirkt auf Fotos meist steifer als eines, das im Moment entsteht.
Was beim Fotoshooting hilft
Vor der Kamera kommt es weniger auf dich an als auf die Person, die fotografiert. Gute Fotografinnen und Fotografen nehmen dir die Aufgabe ab, „schön“ auszusehen. Diese Dinge helfen dabei:
- Klare Anweisungen: „Schau mal locker“ hilft niemandem. Hilfreich ist: „Gewicht aufs hintere Bein, Kinn eine Spur nach vorn, jetzt zu mir.“ Wer genau weiß, was zu tun ist, muss nicht nachdenken.
- Etwas zu tun: Eine Tasse halten, ein paar Schritte gehen, jemandem etwas erklären. Wenn dein Körper beschäftigt ist, vergisst du ihn.
- Reden und lachen: Ein Gespräch über deine Arbeit oder eine absurde Frage lösen die Anspannung schneller als jede Pose.
- Der Moment danach: Die besten Bilder entstehen oft in der Sekunde nach dem Lachen oder nach der Pose, wenn du wieder du selbst bist.
- Zeit: Die ersten Minuten sind fast immer steif. Nach einer Weile gewöhnst du dich an die Kamera, und die Bilder werden besser.

So arbeitet Bianca mit Menschen, die sich unfotogen finden
Biancas Antwort auf „Ich bin total unfotogen“ ist fast immer dieselbe: „Doch, du siehst gut aus. Und nein, wir löschen das Foto nicht.“ Danach folgt kein Licht-Setup, sondern ein Gespräch. Bianca redet, fragt nach deiner Arbeit, macht einen Witz und gibt dir klare Anweisungen, wohin du schauen und wie du stehen sollst.
Fotografiert wird oft in dem Moment, in dem du nicht an die Kamera denkst. Bianca bringt Menschen zum Lachen, und ihr eigenes Lachen ist laut. Ob ein Shooting gut läuft, hört man bis ins Nebenzimmer.
Seit 2023 arbeitet sie außerdem als Mentorin für Sichtbarkeit mit Unternehmerinnen. Sie weiß deshalb, dass hinter „Ich bin unfotogen“ oft eine andere Frage steckt: Will ich mich überhaupt zeigen? Darüber spricht sie im Vorgespräch, bevor die Kamera ins Spiel kommt. Wie Vorbereitung, Shootingtag und Übergabe ablaufen, steht im Ratgeber So läuft ein Fotoshooting mit Bianca ab.
Bilder auswählen, wenn du dich kritisch siehst
Nach dem Shooting schaust du dir deine Bilder an, und der kritische Blick ist sofort wieder da. Diese Schritte helfen bei der Auswahl:
- Lass dir Zeit: Schau die Bilder an zwei verschiedenen Tagen an. Beim ersten Durchgang suchst du Fehler, beim zweiten siehst du die Wirkung.
- Frag andere: Menschen, die dich gut kennen, wählen oft die Bilder, die dir zu wenig perfekt erscheinen. Diese Bilder zeigen dich so, wie du bist.
- Denk an den Zweck: Für dein Profilbild zählt, ob eine Kundin dich im Gespräch wiedererkennt. Nicht, ob eine Haarsträhne sitzt.
Lichtreflexe, Hautunreinheiten oder ein störendes Detail entfernt die Retusche. Gesicht, Falten und Ausdruck bleiben echt. Warum das wichtig ist, erklärt der Artikel Echte Fotos statt KI.
Häufige Fragen
Was bedeutet fotogen?
Fotogen nennt man Menschen, die auf Fotos gut wirken, oft so gut wie im echten Leben. Das Wort setzt sich aus dem griechischen Wort für Licht und der Endung „-gen“ für „erzeugend“ zusammen. Das Gegenteil ist unfotogen.
Gibt es Menschen, die nicht fotogen sind?
Kaum. Wer sich unfotogen findet, kennt sich meist von Handyfotos aus der Nähe, Bildern mit hartem Licht oder Momenten voller Anspannung. Mit weichem Licht, etwas Abstand und einer entspannten Situation wirken fast alle Menschen auf Fotos so, wie andere sie im Gespräch erleben.
Warum sehe ich auf Fotos anders aus als im Spiegel?
Im Spiegel siehst du dich seitenverkehrt, auf dem Foto seitenrichtig. Weil du dein Spiegelbild gewohnt bist, wirkt das Foto fremd. Für andere ist es umgekehrt: Sie kennen dich seitenrichtig und finden dich auf dem Foto vertraut.
Wie werde ich auf Fotos fotogener?
Achte auf weiches Licht von der Seite, lass dich aus etwas Entfernung fotografieren und gib deinem Körper etwas zu tun, etwa eine Tasse halten oder ein paar Schritte gehen. Am meisten hilft eine Person hinter der Kamera, die klare Anweisungen gibt und dich zum Lachen bringt.
Lohnt sich ein Fotoshooting, wenn ich mich unfotogen finde?
Ja, denn bei einem Shooting stimmen Licht, Abstand und Zeit, also die Dinge, die auf Schnappschüssen fehlen. Bianca hört den Satz „Ich bin unfotogen“ vor fast jedem Shooting und gibt dir klare Anweisungen, bis die Kamera Nebensache ist. Anfragen kannst du über das Kontaktformular.
Was mache ich mit meinen Händen auf Fotos?
Gib ihnen eine Aufgabe: eine Tasse, ein Notizbuch, die Lehne eines Stuhls oder die Hosentasche. Hände, die nichts zu tun haben, hängen steif herunter. Bianca sagt dir beim Shooting, wohin damit.


